„Einen kompetenten, guten Zuhörer zu haben, ist für viele Betroffene ungeheuer befreiend.“

Bernd Gratzfeld, Berater am Opfer-Telefon

Opfer-Telefon 116 006

Bundesweit. Kostenfrei. Anonym. Ein Hilfsangebot des WEISSEN RINGS im Auftrag der Bundesnetzagentur.

116 006: Das ist die Nummer für alle, die mit einer Straftat konfrontiert wurden.  

Wer eine Straftat erlebt hat, hat ein Recht darauf, gehört und ernst genommen zu werden. Unsere geschulten ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater am Opfer-Telefon gehen auf Sie ein, wenn Sie Unterstützung nach einer Straftat brauchen oder in Vertretung für jemanden anrufen. 

Gemeinsam mit Ihnen erörtern wir Wege, um Ihnen die bestmögliche Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Auf Wunsch auch gerne anonym.
Dabei arbeiten wir mit den Außenstellen des WEISSEN RINGS zusammen, die flächendeckend und bundesweit Opferhilfe vor Ort leisten. Wenn es hilfreich erscheint, verweisen wir auch an externe Beratungsstellen im erreichbaren Umfeld. Auch zu Opferschutzorganisationen in anderen Ländern pflegt der WEISSE RING durch die Mitgliedschaft im europäischen Dachverband Victim Support Europe eine gute Verbindung.

Sie sind nicht sicher, ob Sie uns anrufen sollen?
Probieren Sie es! Wir sind gerne für Sie da – täglich von 7 bis 22 Uhr.

Das sagt ein ehrenamtlicher Berater am Opfer-Telefon

„In meinem Leben hatte ich viel Glück: Eine tolle Familie und Freunde, die mir als Ansprechpartner in schwierigen Situationen  weiterhelfen konnten. Etwas von diesem Glück zu teilen, anderen Menschen in kritischen Momenten Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und sie dadurch zu unterstützen, ist mir sehr wichtig.“

Bernd Gratzfeld

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„Nach der Beendigung meines Berufslebens war es mir ein Anliegen, neben meinen vielen privaten Aktivitäten auch weiterhin etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu machen. Da ich aber viel unterwegs bin, kam ein dauerhaftes stationäres Engagement nicht in Frage.

In dieser Phase sah ich vor vier Jahren in unserer Tageszeitung einen Aufruf für das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS. Menschen telefonisch zu beraten, sie zu unterstützen und ihnen eine erste Orientierung zu geben, war mir aus meiner früheren beruflichen Funktion als Personalmanager vertraut. Auch die Möglichkeit, bundesweit an jedem Ort – sofern nur eine Internetverbindung besteht – meine Hilfe anzubieten, passte ideal in mein Lebenskonzept.

Seit dieser Zeit arbeite ich beim Opfer-Telefon. Ich habe viel in dieser Zeit gelernt. Konkret zu erfahren, wie schnell durch eine plötzliche Straftat eine vermeintlich stabile Lebensplanung aus dem Ruder läuft; die Hilflosigkeit von Opfern zu erleben, die sich schwach fühlen oder nicht weiter wissen: Das macht nachdenklich und zeigt, auf welchem dünnen Eis wir uns alle bewegen. Am Opfer-Telefon erlebt man diese Situation besonders intensiv, da wir häufig die ersten Ansprechpartner nach der Tat sind. Deswegen ist mir meine soziale Arbeit hier auch so wichtig.

 

Natürlich berühren uns am Opfer-Telefon die Schicksale der Anrufer. Hier haben wir für unsere eigene Unterstützung und Entlastung ein professionelles Team an Fach­leuten, die uns Opferberater jederzeit kompetent beraten und begleiten. Regelmäßige Mitarbeiter­runden zum Gedankenaustausch und, im monatlichen Wechsel, Supervisions­sitzungen zur Besprechung von besonders prägenden Gesprächen geben die notwendige Kraft und Sicherheit, um die in Not geratenen Anrufer unsererseits wiederum bestmöglich unterstützen zu können.

Glücklich macht mich bei meiner Tätigkeit, dass ich durch Zuhören, Beruhigen, erste Tipps zur Selbsthilfe und Nennung von Ansprechpartnern vielen Menschen in Not eine neue Perspektive geben kann. Es sind oft vermeintliche Kleinigkeiten, mit denen man ein Opfer in kritischen Momenten zum ersten Schritt ermutigen kann. Viele Gespräche enden auch mit einem ehrlich gemeinten und erleichterten ,Danke!‘ der Anrufer. Was will man als Belohnung mehr?

Und das Wissen, dass nach unseren Gesprächen mit den Opfern die Kolleginnen und Kollegen der Außenstellen des WEISSEN RINGS für die weitere Betreuung vor Ort zur Verfügung stehen, ist für mich ein gutes Gefühl.“

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